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Studie: Offene Partnerschaft / offene Beziehung - Häufigkeit und Zufriedenheit der Partner

Etwa 97% der Männer und Frauen, die im deutschsprachigen Raum eine Partnerschaft eingehen, erwarten vom Partner Treue. Eine Verletzung dieser Erwartung in Form eines Seitensprungs hat für die meisten betrogenen Männer und Frauen schwere psychische Probleme zur Folge, die denen nach einer Vergewaltigung ähneln. Dies zeigen verschiedene Studien des Projekts www.theratalk.de.

Es gibt aber auch eine Gruppe von Männern und Frauen, denen sexuelle Treue weniger wichtig ist und die in einer „offenen Partnerschaft“ leben. Wie häufig das vorkommt und ob die offene Partnerschaft ein Erfolgsmodell ist, untersuchte das Projekt www.theratalk.de in einer Studie, an der 10.000 Männern und Frauen teilnahmen, die sich seit mindestens einem Jahr in einer Partnerschaft befanden.

Damit eine Partnerschaft für die Wissenschaftler als offene Partnerschaft gilt, müssen zwei Kriterien erfüllt sein:

  1. Beide Partner sind damit einverstanden, dass der oder die Andere sexuelle Kontakte außerhalb der Partnerschaft hat.
  2. Beide Partner haben dieses Einverständnis dem Partner gegenüber auch explizit ausgesprochen.
Die Studien-Daten zeigen: Im Mittel sind offene Partnerschaften weder glücklicher noch unglücklicher als sexuell treue Partnerschaften. Dies gilt allerdings nur, so lange sich zwei Partner zusammenfinden, denen sexuelle Treue unwichtig ist. Dies ist bei etwa 1% der Partnerschaften der Fall.

Partnerschaften, bei denen sich einer der Partner sexuelle Freiheiten herausnimmt, indem er die Partnerschaft einseitig als offen deklariert, während der andere damit nicht einverstanden ist, werden von den Wissenschaftlern „pseudo-offen“ genannt. Sie kommen deutlich häufiger vor, und zwar bei jeweils etwa 3% der Männer und Frauen.

Diese pseudo-offenen Partnerschaften entstehen oft als der Versuch einer Notlösung. Das kann beispielsweise der Fall sein, wenn einer der Partner über längere Zeit sexuell unzufrieden ist und nun ersatzweise Sex mit anderen haben möchte, ohne sich zu trennen. Oder aber, wenn ein Partner unter einem niedrigen Selbstwert leidet, den er oder sie durch besonders viel sexuelle Aufmerksamkeit von außen zu verbessern sucht. Solche Männer und Frauen suchen sich oft treue oder sogar abhängige Partner, die den eigenen niedrigen Selbstwert nicht gefährden, indem sie ihrerseits untreu werden. Dabei entsteht aber erhebliches Leid, wie sich in den Studiendaten zeigt: Männer und Frauen in diesen pseudo-offenen Konstellationen sind deutlich weniger glücklich als andere.

Es ist also weder angebracht, offene Partnerschaften abzuwerten, noch, sie als das neue Erfolgsmodell anzupreisen. Für etwa jedes hundertste Paar sind sie eine gleichwertige Alternative zu einer sexuell treuen Partnerschaft. Wer seinen Partner dazu allerdings „bekehren“ will, erzeugt vor allem Leid. Sinnvoller ist es in diesem Fall, sich statt dessen verstärkt um die sexuelle Zufriedenheit in der eigenen Partnerschaft zu bemühen.


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theratalk.de ist ein wissenschaftliches Projekt am Institut für Psychologie der Universität Göttingen.