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27.05.2011

Kommunikations-Studie:
Viele Partner vermeiden Problemdiskussionen

Kommunikationsprobleme zählen zu den häufigsten Partnerschaftsproblemen - etwa jeder zweite ist davon betroffen. Im Projekt Theratalk (www.theratalk.de) am Institut für Psychologie der Uni-Göttingen wurden diese Probleme in einer aktuellen Studie genauer unter die Lupe genommen. Dabei ging es um die Frage, wie häufig Gespräche über Partnerschaftsprobleme vermieden werden. An der Studie nahmen mehr als 18000 Männer und Frauen teil, die im Bereich der Problem-Kommunikation in ihrer Partnerschaft unzufrieden waren.

Es zeigt sich, dass die Vermeidung von Problemdiskussionen sehr weit verbreitet ist: Bei rund 82% der teilnehmenden Männer und Frauen kommt es in der Partnerschaft regelmäßig nicht zu diesen wichtigen Gesprächen.

Dabei sind Männer die häufigeren Vermeider: 65% der Frauen geben an, mit ihren Problemen beim Partner nicht landen zu können. Dem gegenüber stehen 42% der Männer, die regelmäßig vergeblich versuchen, ihre Partnerinnen zu Problemgesprächen zu bewegen. In einigen Partnerschaften wechselt es sich auch ab, wer dem Gespräch aus dem Wege geht.

Noch häufiger kommt es zu einem Teufelskreis aus "Verfolger" und "Verfolgtem". Dabei werden Diskussionen zwar noch begonnen, aber dann zieht sich ein Partner immer mehr heraus, während der andere immer heftiger versucht, die Diskussion in Gang zu halten. 70% der Frauen und 49% der Männer berichten, dass sich die Partner aus Diskussionen zurückziehen, während sie selbst das Gespräch aufrecht zu halten versuchen.

Die Studie zeigt auch: Wer sich aus Diskussionen zurückzieht, ist mit seinem eigenen Kommunikationsverhalten eher unzufrieden, wer dagegen das Gespräch sucht, ist damit eher zufrieden.

Kommentar

Wer sich zurückzieht, ist damit im Allgemeinen nicht glücklich. Den meisten ist klar, dass es besser wäre, Probleme gemeinsam zu besprechen. Viele Partner schaffen das aber einfach nicht. Das liegt zum einen daran, dass nur wenige das Glück haben, anhand von guten Vorbildern oder durch eine Ausbildung das erfolgreiche Besprechen von Problemen gelernt zu haben. Und dann kommt noch dazu, dass es eine ganz besondere Situation ist, wenn es um die Liebe geht: Durch die starke emotionale Beteiligung fällt es in diesem Fall besonders schwer, besonnen zu bleiben. In Therapien wird ganz regelmäßig sichtbar, dass daran sogar Partner scheitern können, die beruflich mit Kommunikation zu tun haben und eigentlich "mit allen Wassern gewaschen" sind.

Wer die Rolle des "Verfolgten" hat, fühlt sich in Problemdiskussionen oft unzulänglich und unterlegen. Verstärkt wird das noch durch den Anspruch, etwas ändern zu müssen, es aber ohne Hilfe nicht zu schaffen. Doch auch die "Verfolger" sind nicht glücklich. Sie fühlen sich im Recht und meinen es in der Regel gut, kommen aber nicht zum Zuge. Auch die besten rhetorischen Fertigkeiten nützen nichts. Sie schaden sogar eher, denn so fühlt sich der "Verfolgte" noch unterlegener, sieht noch weniger Möglichkeit seine Meinung geltend zu machen, und bekommt Angst. Ein kompletter Rückzug - auch "Mauern" genannt - löst das Problem vorübergehend: Er lässt dem Partner keine Chance und gilt deshalb nicht zu Unrecht als eins der stärksten Machtinstrumente in der Partnerschaft. So fühlen sich im Endeffekt selbst bei kleinen Problemen beide Partner hilflos, ausgeliefert und allein gelassen. Mit der Zeit wächst ein Berg von ungelösten Problemen, der dafür sorgt, dass auch kleine Probleme eine große Bedeutung bekommen. Und der negative Verlauf des nächsten Problemgesprächs wird immer absehbarer.

Um solch eine Situation gar nicht erst entstehen zu lassen, ist es empfehlenswert, sich intensiv mit guter Kommunikation zu beschäftigen und sie an möglichst vielen Stellen in der Partnerschaft einzusetzen. So entstehen gute Gewohnheiten, die im Problemfall relativ leicht aktiviert werden können. Wenn die Situation aber erst einmal verfahren ist, ist es sinnvoll, Problemgespräche in einer geschützten Umgebung gemeinsam systematisch zu lernen. Zu diesem Zweck geben Paartherapeuten Kommunikationskurse oder vermitteln die notwendigen Fertigkeiten im Rahmen einer Paartherapie. Hier kann der Problemberg in den meisten Fällen auch auf eine übersichtliche Größe geschrumpft werden.

So erschütternd die Ergebnisse dieser Studie einerseits auch sind, zeigen sie andererseits doch auch, dass es ganz normal ist, Kommunikationsprobleme zu haben. Das sollte Mut machen, sich den Problemen zu stellen.

Wer Näheres darüber wissen möchte, wie es um die eigene Kommunikation bestellt ist, findet in den Partnerschaftstests einen kostenlosen Kommunikationstest.

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theratalk.de ist ein wissenschaftliches Projekt am Institut für Psychologie der Universität Göttingen.